Leuchtturmprojekt ausgezeichnet

Pax-Bank ehrt Talat Kamran für die Ausbildung muslimischer Krankenhausseelsorger

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Der Rahmen hätte nicht besser gewählt sein können. Erstmals lud das Erzbistum Berlin am 10. Juli Muslime und Christen zu einem "festlichen Fastenbrechen" in die Berliner Katholische Akademie ein. Eine Veranstaltung also wie gemacht für die Verleihung des Pax-Bank-Preises, mit dem die Kirchenbank alljährlich hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet des interkulturellen und interreligiösen Dialogs auszeichnet. Und auch der Preisträger 2015 passte perfekt in den Rahmen:  Talat Kamran, Leiter des Mannheimer Instituts für Integration und interreligiösen Dialog, das sich in den vergangenen Jahren auch bundesweit einen Namen gemacht hat.  Geehrt wurde Kamran vor allem für seinen Einsatz zur Einrichtung von Kursen für muslimische Klinikseelsorger, ein deutschlandweit einzigartiges Projekt, das das Mannheimer Institut in Kooperation mit den christlichen Kirchen sowie staatlichen Trägern durchführt.

Diözesanadministrator Tobias Przytarski erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass das Fasten trotz unterschiedlicher religiöser Formen auch den Christen vertraut sei.

Es sei ein gemeinsamer Ausdruck gelebten Glaubens an einen Gott. "Es bedeutet mir als Christ viel, dass wir damit in dieser Stadt nicht allein sind." Gleichzeitig betonte er, dass der Ramadan und das Fasten Gläubige – gerade dieses Jahr im Sommer – vor Herausforderungen stellt. Christen und Muslime könnten dabei zeigen, "welche Kraft im Glauben liegt". Przytarski ging auch "auf die andere Seite des Glaubens" ein, die Verbrechen im Namen der Religion. Umso nötiger seien Gebete von Christen und Muslimen um Frieden in der Welt.

Brücken schlagen

Pax-Bank-Vorstandsmitglied Hans-Bernd Kloth dankte dem Erzbistum für die Feier des Fastenbrechens, ein sichtbares Zeichen des Dialogs zwischen Islam und Christentum. Kloth hob hervor, wieviel der Pax Bank als Geldinstitut mit christlicher Wertorientierung daran liege, "den Austausch der Religionen zu unterstützen". So sei bereits vor über zehn Jahren die Idee zu der Auszeichnung entstanden. Leben in einer pluralen Gesellschaft sei nur möglich, wenn Brücken geschlagen werden, mahnte das Vorstandsmitglied. "Brücken, die Gemeinschaft fördern und isolierte Parallelwelten zu vermeiden helfen." Eine solche Brücke sei die Arbeit von Talat Kamran am Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog.

Das Institut fördere seit zwei Jahrzehnten die Begegnung von Menschen verschiedenen religiöser Traditionen. Mit der Ausbildung von islamischen Klinikseelsorgern gehe es neue Wege, die "Brücken schlagen zwischen den Religionen und innerhalb der Zivilgesellschaft", sagte Kloth. Er überreichte den Preis an den Projektleiter "Islamische Seelsorge" Alfred Miess, die Seelsorgerin Hülva Dogan und den Seelsorger Mustafa Özkan, die in Vertretung für Talat Kamran zum Fastenbrechen erschienen. Miess stellte in seinem kurzen Dankeswort in Aussicht, kommendes Jahr bereits an 110 Krankenhäusern ein Angebot für muslimische Seelsorge  bieten zu können.

"Echter Kraftakt"

In seiner Laudatio erinnerte Joachim von Bonin, Stiftungsrat der Georges-Anawati Stiftung, daran, dass in Deutschland rund vier Millionen Menschen muslimischen Glaubens leben. "Auch sie benötigen in schwierigen Lebensphasen Halt, ein offenes Ohr und seelische Unterstützung." Früher habe die Familie eine wichtige Rolle in der seelischen Unterstützung eingenommen, die Familienstrukturen aber veränderten sich. "Angebote in den Krankenhäusern stehen zwar allen Religionen offen, die Praxis aber zeigt, dass die Hürde für Muslime hoch ist", sagte von Bonin, dessen Stiftung die Pax-Bank bei der Kandidatenfindung für den Preis berät. "Es fehlt an sprachlich, interkulturell und interreligiös geschulten Seelsorgern." Das Mannheimer Institut habe diesen Mangel erkannt, gehandelt und mit einem "echten Kraftakt" das "Leuchtturmprojekt" initiiert.

In seinem Festvortrag ging Abdelmalek Hibaoui vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen auf das Thema islamische Klinikseelsorge ein. Hibaoui zufolge kennt der Koran den modernen Begriff der Seelsorge nicht, und auch in islamischen Ländern gebe es keine institutionalisierte Seelsorge. "Der Dienst am Menschen bildet den zentralen Baustein des islamischen Ethos", betonte Hibaoui. Deshalb beschreibe der Koran eine "Gemeinschaftspflicht für alle Gläubigen, den Kranken und Schwachen beizustehen." Aus dieser Sozialverpflichtung für alle Muslime habe sich eine Kultur der islamischen Krankenführsorge und Sozialarbeit entwickelt. Hibaoui warb in diesem Zusammenhang für eine Zusammenarbeit christlicher und muslimischer Krankenhausseelsorger.

Passend zum Anlass wurde der Abend vom Berliner "Orient Ensemble" begleitet, das traditionelle Instrumente Vorderasiens und klassische europäische Instrumente vereint. Zum Programm gehörte ferner ein "Fasten-Slam" der Bloggerin Betül Ulusoy, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte, als sie ihre juristische Ausbildung im Bezirksamt Neukölln mit Kopftuch absolvieren wollte. Ulusoy schilderte ihre Erfahrungen während des Ramadans. So seien in dem Fastenmonat ihre Sinne geschärft. Sie erlebe etwa, dass ihr Riechempfinden und ihre Farbwahrnehmung verstärkt seien. Mit einer Rezitation aus dem Koran und einem Gebet endete schließlich das Programm, ehe die Anwesenden nach Einbruch der Dunkelheit mit orientalischen Speisen den Fastentag ausklingen ließen.

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